Warum gibt es die Börse?
Die Börse ist ein Marktplatz. Nicht für Obst und Gemüse, sondern für Unternehmensanteile. Sie löst zwei Probleme auf einmal.
Kurz erklärt
Stand: 5. Oktober 2026Die Börse gibt es, damit Unternehmen Kapital einsammeln und Anleger ihre Aktien jederzeit wieder verkaufen können. Nur beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung fließt Geld an das Unternehmen, danach handeln Anleger untereinander. In Deutschland läuft der Großteil des Handels über XETRA, montags bis freitags von 9:00 bis 17:30 Uhr. Der DAX zeigt, wie sich die 40 größten Unternehmen entwickeln.
Zwei Seiten, ein Problem
Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die Geld brauchen, um zu wachsen. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die Geld anlegen wollen. Beide passen gut zusammen. Aber sie müssen sich erst einmal finden. Und es braucht Regeln, damit niemand übers Ohr gehauen wird. Genau dafür gibt es die Börse: Sie bringt Angebot und Nachfrage an einem Ort zusammen, mit klaren Regeln und unter Aufsicht.
Erstes Problem: Unternehmen brauchen Kapital
Erinnerst du dich an die Pizzeria? Ein großer Konzern hat dasselbe Anliegen, nur mit viel größeren Summen. Er will neue Fabriken bauen, forschen oder in neue Länder expandieren. Dafür kann er an die Börse gehen. Das nennt man Börsengang oder auf Englisch IPO. Dabei verkauft das Unternehmen zum ersten Mal Aktien an die Öffentlichkeit. Das Geld aus diesem Verkauf fließt direkt in die Firmenkasse. Später kann ein Unternehmen über eine Kapitalerhöhung weitere neue Aktien ausgeben. Im Gegenzug muss es seine Zahlen offenlegen und teilt die Macht mit seinen neuen Miteigentümern.
Zweites Problem: Anleger wollen wieder verkaufen können
Würdest du einem Unternehmen dein Geld geben, wenn du es nie wieder zurückbekommst? Wahrscheinlich nicht. Die Börse sorgt dafür, dass du deine Aktie jederzeit an jemand anderen verkaufen kannst. Das ist der wichtigste Grund, warum Menschen überhaupt bereit sind, Aktien zu kaufen. Sie wissen: Wenn ich mein Geld brauche, finde ich einen Käufer. Fachleute nennen das Liquidität. Gemeint ist schlicht, dass du schnell zu einem fairen Preis handeln kannst. Ohne Börse müsstest du selbst einen Käufer suchen, wie bei einem gebrauchten Auto. Das kann dauern, und du wüsstest nie genau, ob der Preis fair ist.
Wichtig zu wissen: Wenn du heute eine Aktie von Siemens kaufst, bekommt Siemens davon nichts. Dein Geld geht an den Anleger, der dir die Aktie verkauft. Fast der gesamte Börsenhandel findet zwischen Anlegern statt, nicht mit dem Unternehmen selbst.
Die Börse in Deutschland
Der wichtigste Handelsplatz für Aktien in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse. Gehandelt wird dort heute fast nur noch elektronisch, über das System XETRA. Ein Computer bringt Kauf- und Verkaufsaufträge in Sekundenbruchteilen zusammen. Die Börse steht unter staatlicher Aufsicht, und Unternehmen, die dort gelistet sind, müssen regelmäßig über ihre Geschäfte berichten. Daneben gibt es weitere Handelsplätze wie Tradegate oder die Börsen in Stuttgart und München. Viele Smartphone-Broker nutzen solche Plätze, die oft auch abends handeln.
So lange läuft der Haupthandel auf XETRA, montags bis freitags. Für Privatanleger gibt es seit Dezember 2025 zusätzlich einen Früh- und Späthandel von 8 bis 22 Uhr.
Und was ist der DAX?
Den Namen hörst du fast jeden Abend in den Nachrichten. Der DAX ist kein Unternehmen und keine Börse, sondern ein Index. Er misst, wie sich die 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zusammen entwickeln. Darunter sind Namen wie SAP, Siemens, Allianz oder die Deutsche Telekom. Steigt der DAX, sind diese Aktien im gewichteten Schnitt gestiegen. Er wird seit 1988 berechnet und startete bei 1.000 Punkten. Viele nutzen ihn als eine Art Fieberthermometer für die großen deutschen Unternehmen.
Unternehmen umfasst der DAX seit September 2021. Davor waren es 30.
Wer bestimmt eigentlich den Preis?
Wenn sich auf dem Marktplatz Käufer und Verkäufer treffen, müssen sie sich auf einen Preis einigen. Aber wer legt ihn fest? Niemand allein. Der Preis entsteht aus allen Aufträgen zusammen. Wie das genau funktioniert, schauen wir uns im nächsten Kapitel an.
Kurz gesagt
- Die Börse ist ein geregelter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer von Aktien zusammenfinden.
- Unternehmen bekommen nur beim Börsengang oder bei Kapitalerhöhungen Geld. Danach handeln Anleger untereinander.
- In Deutschland läuft der Großteil des Handels über XETRA. Der DAX zeigt, wie sich die 40 größten Unternehmen entwickeln.
Quellen
- Börsengesetz (BörsG)
- Aktiengesetz (AktG), § 182 Kapitalerhöhung
- Deutsche Börse Cash Market: Handelskalender und Handelszeiten
- Deutsche Börse Cash Market: Erweiterter Xetra Retail Service
- STOXX: DAX Index
Stand: 5. Oktober 2026 · Bildungsinhalt, keine Anlage- oder Steuerberatung.