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Kapitel 5 von 10 5 Min.

Der Zinseszins

Wenn deine Erträge selbst wieder Erträge bringen, wächst dein Geld wie ein Schneeball. Langsam am Anfang, dann immer schneller.

Erträge auf Erträge

Angenommen, du legst 1.000 Euro an und sie wachsen um 7 Prozent im Jahr. Nach einem Jahr hast du 1.070 Euro. Im zweiten Jahr wachsen nicht mehr nur deine 1.000 Euro, sondern die ganzen 1.070 Euro. Du verdienst also auch auf die 70 Euro, die du im ersten Jahr dazubekommen hast. Das ist der Zinseszins. Bei Aktien entsteht er, wenn Kursgewinne liegen bleiben und Dividenden wieder angelegt werden. Im ersten Jahr ist der Unterschied winzig. Nach Jahrzehnten ist er riesig.

Jeden Monat kommen 100 € dazu, bei 7 % Wachstum pro Jahr. Der Schneeball rollt 30 Jahre bergab. Erst wächst er kaum, dann immer schneller, bis er am Ende rund 117.000 € groß ist.

Die Rechnung mit 100 Euro im Monat

Nehmen wir einen einfachen Sparplan: 100 Euro im Monat, 30 Jahre lang, bei angenommenen 7 Prozent im Jahr. Eingezahlt hast du am Ende 36.000 Euro. Auf dem Depot stünden rund 117.000 Euro. Mehr als zwei Drittel davon hast du nicht selbst eingezahlt. Sie sind durch Erträge auf Erträge entstanden. Spannend ist der Verlauf: Nach 10 Jahren hast du etwa 17.200 Euro, nach 20 Jahren rund 51.000 Euro. Die meiste Bewegung passiert am Ende.

117.000 €

Ungefähres Ergebnis nach 30 Jahren mit 100 € im Monat bei 7 % pro Jahr, vor Steuern und Kosten. Eingezahlt: 36.000 €.

Zeit ist der wichtigste Faktor

Beim Zinseszins zählt vor allem, wie lange dein Geld arbeiten darf. Eine Faustregel hilft beim Überschlagen: Teile 72 durch den jährlichen Ertrag in Prozent. Das Ergebnis ist ungefähr die Zahl der Jahre, in denen sich dein Geld verdoppelt. Bei 7 Prozent sind das gut 10 Jahre. Wer mit 25 anfängt, hat bis zur Rente also mehrere Verdopplungen vor sich. Wer erst mit 45 beginnt, muss deutlich mehr einzahlen, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Deshalb ist früh anfangen wichtiger als viel anfangen.

Die 7 Prozent sind ein Rechenbeispiel, kein Versprechen. Laut Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts brachte ein DAX-Sparplan über lange Zeiträume in der Vergangenheit meist zwischen 6 und 9 Prozent im Jahr. Dazwischen lagen aber Jahre mit großen Verlusten. Von März 2000 bis März 2003 verlor er über 70 Prozent.

Und das Sparbuch?

Der Zinseszins funktioniert auch auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Nur ist der Schneeball dort viel kleiner. Über viele Jahre gab es auf dem Sparbuch fast gar keine Zinsen, und auch Tagesgeldzinsen lagen meist deutlich unter den historischen Aktienerträgen. Gleichzeitig nagt die Inflation am Geld. Liegt der Zins unter der Inflationsrate, verlierst du Kaufkraft, obwohl die Zahl auf dem Konto steigt. Dafür ist Tagesgeld sicher und jederzeit verfügbar. Für den Notgroschen ist es deshalb genau richtig.

≈ 10 Jahre

So lange dauert es bei 7 % pro Jahr, bis sich ein Betrag verdoppelt. Faustregel: 72 geteilt durch den Zinssatz.

Worauf rollt der Schneeball?

Ein Sparplan ist in Deutschland ein beliebter Weg, um den Zinseszins zu nutzen. Monat für Monat fließt automatisch ein fester Betrag in die Anlage, ganz ohne dass du den richtigen Moment abpassen musst. Bleibt die Frage, worin du anlegst. Alles auf eine einzige Aktie zu setzen, ist riskant. Läuft es bei diesem Unternehmen schlecht, schmilzt dein Schneeball. Wie du das Risiko auf viele Schultern verteilst, erfährst du im nächsten Kapitel.

Kurz gesagt

  • Beim Zinseszins bringen deine Erträge selbst wieder Erträge. Das Wachstum beschleunigt sich mit der Zeit.
  • 100 € im Monat bei 7 % pro Jahr werden in 30 Jahren zu rund 117.000 €, bei nur 36.000 € Einzahlung. Garantiert ist das nicht.
  • Zeit ist der stärkste Hebel. Früh und regelmäßig anzufangen wirkt oft mehr als hohe Einzelbeträge.